*Schreibgefühl* 2. – Wie Blitz und Donner

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An einem Sonntag an dem die Straßen leer, dafür Wohnzimmer und Kneipen voll waren, wagte ich es einen Spaziergang zu machen. An diesem Tag, wo doch eigentlich jeder von diesem einen, großen Sportereignis von seinen Problemen abgelenkt werden sollte. Einer dieser Tage, an denen die Politik gerne umstrittene Gesetze durchboxte, weil keiner hinschaut. Da wagte ich es nicht vor einem Fernseher zu sitzen, nicht einmal das Radio mit Live Updates laufen zu lassen. Und Newsfeeds der Nachrichtenseiten hatte ich auch nicht abonniert. Ich wanderte alleine durch die Stad. Bis zum Stadtrand und schließlich einen Schotterweg zwischen Feldern und Wiesen entlang. Es war später Nachmittag, das Sportereignis würde erst in einer Stunde beginnen. Doch die allerwichtigsten Infos und unglaublich präzise Vorhersagen von Fachleuten gab es ja immer vor dem Sport. Und währenddessen. Und danach.

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*Kurzgeschichte* – Die Legende vom Grasmädchen

 

Die Legende vom Grasmädchen

Ihr Kleid war weiß wie Wolken, wehte im Wind wie lange Grashalme. Es reflektierte die Sonne wie die Halme der Weizenähren an sonnigen, windigen Tagen. Ihre Fingernägel glänzten wie das innere von Mohnblüten. Strohblond waren ihre Haare im Sommer, hellbraun im Winter. Wie gefrorene Erde. Morgens trank sie den Tau, mittags aß sie Samen und Beeren und abends badete sie im Licht der schwindenden Sonne.

Es hieß, sie züchtete Grassamen, die schneller und dichter wuchsen als jedes andere Gras. Es machte die Tiere schneller und länger satt und so kauften die  Bauern bei ihr jedes Jahr die Samen. Von diesem Geld kaufte sich das Mädchen das  Jahr über Brot das ihr ein Bote in einem Korb bis an den Rand ihrer Heimatwiese trug.

Wenn die Sonne zu heiß schien, wuchsen die Halme um sie herum in die Höhe und bildeten einen dichten Schutzwall um sie, ebenso wenn es regnete. Wenn der Winter kam fiel das Grasmädchen in einen tiefen Schlaf. Auch hier schützten die Grashalme sie vor Nässe und Kälte, selbst der Schnee fiel in einem Umkreis von einigen Metern nicht nieder und drückte so die Halme nicht platt.

Manche behaupteten sie wäre eine Göttin, andere sie wäre ein böser Dämon, der sich hinter dem lieblichen Gesicht verbarg.

Sie konnte nur im Gras überleben, die Wiesen zogen sich weit durch das Land zu dieser Zeit. Nur die Dörfer und Städte sowie die dichtesten Wälder blieben ihr verwehrt.

An einem Sommertag gab es in einem nahegelegenen Dorf große Aufregung. Die Königin des Landes kam zu Besuch. Die ganze Stadt wurde geschmückt. Das Grasmädchen ging bis zum Rand ihrer Wiese und beobachtete das Geschehen. Als es Abend wurde, und die Königin noch immer nicht eingetroffen war, begann man sich Sorgen zu machen. Sie erschrak, denn im ganzen Dorf wurden brennende Fackeln aufgestellt. Auch entlang des Weges wurden sie in die Erde gerammt. Es kam, dass eine der Fackeln umfiel und die von der Sonne ausgedörrten Halme in Brand steckte.  Das Grasmädchen sah die Wiese brennen. Die Flammen breiteten sich rasend schnell aus. Sie floh bis an den Rand ihrer Wiese. Doch als sie sah, dass schon fast das ganze Gras abgebrannt war blieb sie stehen. Sie schrie in den Himmel hinauf und gewaltige Blitze schlugen in die Erde. Es donnerte und begann noch im gleichen Augenblick zu regnen. Es schüttete ununterbrochen und das Feuer wurde gelöscht. Doch es regnete weiter Tag für Tag. Die Bewohner mussten ihr Dorf verlassen, da das Wasser die Talsenke in der es lag, vollständig füllte. Erst Jahre später kehrten die Ersten der Umherwandernden zurück und fanden ein fruchtbares und wunderschönes Land vor. Sie pflanzten die übriggebliebenen Grassamen,  die ihnen das Grasmädchen verkauft hatte und die Tiere und somit auch die Menschen dort litten niemals an Hunger.

Seither ist dieser Teil des Landes einer der schönsten und fruchtbarsten des Königreichs. Jedes Jahr veranstalten die Bewohner am Tag des großen Feuers und des Regens ein gewaltiges Fest zu Ehren des Grasmädchens.

Das Grasmädchen selbst war und blieb verschwunden. Man sagt Sie hätte damals alle ihre Energie in den Regen fließen lassen und hatte sich deshalb aufgelöst.

 

 

*Gedanken* Balance in einer tobenden Welt?

Die Balance die ein Seiltänzer hält, ein Mönch in der Meditation mit sich selbst oder die Balance zwischen gesundem und ungesunden Essen.

Medien überschütten uns mit Bildern und Texten, mit Versprechen über die oft gesuchte Balance. In jedem Bereich des Lebens scheint sie aufzutauchen. Überall soll der Mittelweg das Beste sein. Work-Life Balance ist das Zugpferd.

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