Archiv der Fantasie

*Kurzgeschichte* Regennächte

Regennächte

Weiße Atemwolken verloren sich in der kühlen Nachtluft. Sie verdeckten, bevor sie sich mit der übrigen Luft vermischten, für einen Moment die Sterne. Das war etwas, das die Anderen nicht taten. Sie tun nie etwas, dass für sie keinen Sinn ergibt. Sie gehen nicht durch den Garten um die Blumen zu sehen. Essen immer nur das gleiche, denn wozu etwas Neues probieren, wenn das Alte doch schmeckt und satt macht? Sie sehen nur Fernsehserien die sich möglichst immer um dieselben Themen drehen, die gleichen Schauspieler haben, alle genau gleichlang dauern und alle ziemlich ähnlich heißen. Sie kaufen die Kleidung die jeder kauft, jeder trägt, aus den Shops die jeder kennt. Die Liste zieht sich endlos lang, breit, quer und im Kreis herum. Macht es denn keinen Sinn, Atemwolken auf eine – wenn auch kurze Reise zu schicken? Einer Reise in die Endlosigkeit, in der sie so unendlich viele Wege haben die sie gehen können?

Ein Sinn, dachte ich mir an diesem Abend, während ich das Kinn auf die Arme und die Arme auf das Fensterbrett stützt, ist ein Sinn nicht etwas eigentlich Sinnloses? Etwas mit dem wir den Wert einer Sache oder einer Tat bestimmen um zu entscheiden ob diese sich für uns lohnt oder nicht.

Ihr könnt ja weiterhin eure komischen, ach so zweckmäßigen, gleichlangen Haare tragen. Ich sitze lieber hier und beobachte wie sich die Härchen auf meinem Arm aufgrund der Kälte aufrichten und der feuchte Beschlag auf dem Fenster verschwindet. Sie suchen alle nur nach etwas, dass sie von ihrem Kummer ablenkt. Dabei suchen sie meist in der Schönheit danach, und da jeder ein anderes Verständnis von Schönheit besitzt, sind die Wege unterschiedlich wie Tag und Nacht. Doch meist verletzten sie, auf ihren eigenen Erfolg fixiert, andere die ihnen auf ihrem Weg begegnen. Die Worte stammten aus einem Buch, welches ich in verschwommener Vergangenheit gelesen hatte.

Mir fiel nicht einmal mehr der Name des Werkes ein, doch dieses Zitat drängte sich scharf wie die Klinge eines Schwertes in meine Grübeleien. Menschen mussten immer bewerten. Das war wohl der Grund warum es mich in die Ferne zog unter Bäume, mitten hinein in Sommergewitter und nachts zum Fenster um Atem in die Luft zu hauchen. Ich suchte nach natürlicher Schönheit, nach Ruhe und den ursprünglichen Bewegungen, von Wind angefangen von Pflanzen aufgegriffen, von Tieren aus ihrem eigenen Interesse heraus begonnen.

Und trotzdem oder auch deshalb wollte es sich mir nicht erschließen, was einen Menschen zu einer knallpinken Lederjacken ziehen konnte. Im Grundsatz mochten alle Menschen mit ihrer Suche nach Schönheit gleich sein. Vielleicht war es eine Charakterfrage welche Wege dazu beschritten wurden. Meine Hände fingen an zu zittern und ich klammerte mich an die Kante des hölzernen Fensterbrettes. Ich fand dort Halt, auch wenn sich meine Finger vor Taubheit nur zögernd krümmten. Innerlich fand ich dadurch keinen Halt. Schon wieder hatten meine Gedanken zu nichts geführt, vielleicht sollte ich aufhören nachzudenken. Aber das ging nicht. Die Gedanken kamen von sich aus, schlichen sich an und legten mich in Ketten. So lange bis ich sie alle gedacht hatte.

Irgendwann schloß ich das Fenster, fiel ins Bett und wickelte meinen eiskalten Körper in die Bettdecke.

4 Antworten auf „*Kurzgeschichte* Regennächte“

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