Archiv der Fantasie

*Erfahrungsbericht* – Schreiben unterwegs

Hallo du,

vielleicht kennst du folgende Situation, vielleicht ist sie dir fremd.

Seit fast vier Jahren bin ich eine Pendlerin. Eine von denen die zu früh am Morgen und zu spät am Abend auf einen Zug warten. Manchmal habe ich das Gefühl, mehr Coffee to go Becher als Menschen um mich zu haben. Jede Minute Verspätung von einem der zahlreichen Verkehrsmittel die ich an einem Tag nutze, kann eine halbe Stunde Zeitverlust bedeuten. Ich habe schon alles in Zug, Bus, U-Bahn, S-Bahn etc. gemacht. Nägel gefeilt, chinesische Nudeln gegessen, mit meinem Nintendo gespielt oder Menschen um mich herum studiert.

Aber meistens habe ich meinen alten, vier Kilo schweren Laptop auf meinem Schoß und versuche zu Schreiben. Hier möchte ich dir, anhand meiner Erfahrungen, zeigen welche Vor,- und Nachteile das Schreiben unterwegs – zumindest für mich – mit sich bringt.

Vorteile:

Du schreibst in einer anderen Umgebung. Landschaften rauschen an den Fenstern vorbei. Es kann dich zu neuen Dingen motivieren. Kein stilles Kämmerlein mit einer nackten Glühbirne an der Decke. Die meisten meiner Lyrik-Werke entstehen auf diese Weise.

Du kannst andere Menschen beobachten. Möglicherweise lackiert sich eine Frau neben dir die Nägel, der nächste isst die Leberkässemmel schon zum Frühstück. Hier kannst du hautnah und während deiner Schreibzeit Menschen als Individuen studieren. Dies ist, zugegeben nicht immer erfreulich (Ein junger Mann hat sich einmal im Zug Ungeziefer aus seinen Rasterlocken gekämmt) aber es ist die Wirklichkeit. Fernab von Etiketten, die viele Menschen in ihren Berufen an den Tag legen.

Du kannst lange Fahrtzeiten effektiv nutzen. Der Tag hat nur 24 Stunden. Wenn ich zuhause bin, sehe ich die Staubmäuse unter meinem Bett eine Party feiern, die dreckigen Fenster und den Berg an Kleidung auf „dem Stuhl“. Bevor ich Löcher in die stickige Zugluft starre schreibe ich lieber.

Nachteile:

Es ist laut und es riecht schlecht. Die Leberkässemmel am Morgen mag noch ganz lecker riechen, aber es gibt leider auch immer wieder Menschen, die nicht wissen was ein Deo ist. Auch alte, halb ausgetrunkene Bierflaschen, überquellenden Mülleimer und leider auch die Toiletten im Zug sind nicht unbedingt das teuerste Rosenwasser auf dem Markt. Der Zug quietscht und rattert, die Durchsagen klingen wie ein Papagei auf Dogen und der Sitznachbar brüllt in sein Smartphone. Ich empfehle hier Ohrenstöpsel – die wo keine Musik rauskommt.

Es ist eng. Sehr eng. Ich beneide jeden, der ein/einen super leichten, super kleinen, super teuren Laptop/Netbook/Notebook/Tablett sein eigen nennt. Das Geld dafür habe ich momentan nicht (auch 400€ sind viel Geld). Doch auch wenn man so ein praktisches Schreibgerät besitzt, ist und bliebt der Platz, je nach öffentlichem Verkehrsmittel begrenzt. Die angebotenen Tische sind meistens zu klein, um einem Laptop mit Tastatur vernünftig darauf abzustellen.

Es herrschen schlechte Lichtverhältnisse. Irgendwas ist immer. Vom gegenüberliegenden Fenster blendet dich die Sonne, oder sie scheint die von hinten auf den PC-Bildschirm. Die LED-Lampen im Zug vertragen sich so gar nicht mit deinem Blaulichtfilter und der Bildschirm spiegelt dein eigenes, müdes Gesicht.

Es gibt eine Klimaanlage – oder auch nicht. Hier habe ich schon alles erlebt. Im Hochsommer läuft die Heizung (weil sonst die Lüftung nicht funktioniert. Häh?!) Im Winter fällt die Heizung komplett aus und im Sommer geht die Klimaanlage, manchmal.

Du musst deinen Laptop etc… mit dir herumtragen. Ich habe an jedem Pendlertag den 4-Kilo Laptop, 1 Liter Wasser, ein Mittagessen, Obst und Kekse, ein Buch, meinen E-Book Reader (ja ich weiß, der Sinn von dem Reader wäre eigentlich, ihn statt eines Buches mitzunehmen aber naja…) eventuell einen dicken Band mit Gesetzen, ein Schulbuch, einen Block, Schreibzeug und anderen Krimskrams dabei. Puh, ist das schwer.

Du hast kaum Privatsphäre. Der Sitznachbar schielt auf deinen Bildschirm, der Fahrkartenkontrolleur manchmal auch. Was die Leute, die hinter dir sitzen alles mitlesen weißt du sowieso nie. Hierfür gibt es – angeblich – eine gute Lösung. Die Sichtschutzfolie…. hierzu werde ich in nächster Zeit einen eigenen kleinen Beitrag schreiben… eine Tortur mit diesem Teil!

Sowohl Vorteil als auch Nachteil:

Du hast nur begrenzte Arbeitsmaterialien zur Verfügung. Einerseits fehlt mir mein Schreibtisch mit den Notizzetteln, einer Schublade voller Schreibutensilien, buntem Papier und ganz wichtig Tesafilm, andererseits kann ich mich dann auch nur auf das Schreiben konzentrieren. Ich habe keinen Internetzugang wenn ich unterwegs bin (außer auf dem Smartphone) und das ist oft auch gut so.

Du kannst in Kontakt mit potenziellen Lesern kommen. Dieser Punkt hat für mich unter anderem mit der fehlenden Privatsphäre zu tun. Es können sich aber auch Gespräche zu deiner Arbeit und deinen Werken entwickeln. Ich bin kein Promi (zum Glück) deshalb ist dieser Punkt für mich eher theoretisch zu sehen.

Fazit:

Ich habe hier wesentlich mehr negative als positive Aspekte aufgezählt. Diese spiegeln meine Meinung und sind individuell. Für mich ist das wichtigste Argument für das Schreiben unterwegs die Zeit. Wenn ich meine Fahrtzeiten nicht effektiv nutze, komme ich fast gar nicht mehr zum Schreiben. Solange ich weiterhin eine Pendlerin bin wird sich daran für mich nichts ändern. Nur meinen Schreib-Laptop möchte ich sobald wie möglich gegen ein leichtes und praktisches Notebook austauschen. Aber ich brauche einfach mehr als 2GB Speicher und ab da wird es teuer.

Ich hoffe dir hat dieser Erfahrungsbericht gefallen (;

Hast du auch Erfahrungen mit dem Scheiben unterwegs? Wenn ja, hast du Tipps oder Anregungen?

Liebe Grüße

Laura

8 Antworten auf „*Erfahrungsbericht* – Schreiben unterwegs“

  1. Hallo Laura,
    mein größtes Problem beim Arbeiten im Zug ist, dass ich mich weniger gut konzentrieren kann, als wenn ich in Stille an meinem Schreibtisch sitze. Dennoch mach ich es manchmal, um die Zeit zu nutzen (besonders, wenn es um Uni-Sachen geht). Aber besser ist für mich, die Kopfhörer aufzusetzen und meine Gedanken einfach treiben zu lassen. Dabei spinne ich wie von selbst meine Geschichte weiter und werde kreativ 😉
    Liebe Grüße, Alex

    Gefällt mir

    1. Hallo Alex,

      Das hört sich sehr schön an 😄
      Ja die Konzentration ist ein scheues Tier, für mich gibt es aber zuhause viel mehr Ablenkung. Wenn ich da nur an die ungelesen Bücher denke 😍
      Aber Hauptsache es geht vorran, wenn auch in kleinen Schritten.

      Liebe Grüße

      Laura

      Gefällt mir

  2. Hi Laura,
    ein sehr schöner Beitrag, in dem ich mich gut wieder finde! Zwar sind meine Pendler-Zeiten vorbei, aber genau so, wie du es geschrieben hast, ist es! Es gibt viele Vor- und Nachteile und es variiert jeden Tag. Mein größtes Problem während dieser Zeit war meine Müdigkeit. Wenn ich im Zug saß und mir vorgenommen hatte, an meinem Laptop zu arbeiten, war ich spätestens nach 10 Minuten ruckeliger Fahrt in einer Art Trancezustand, die leider häufig zu einem ausgedehnten Nickerchen wurden. =( Mir fiel es immer schwer wach zu bleiben. Vielleicht hätte ich mehr in Kaffee investieren sollen!
    Liebe Grüße,
    Daniela

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Daniela,

      es freut mich sehr, dass du meinen Beitrag magst und authentisch findest.
      Mit Müdigkeit habe ich kaum Probleme, in öffentlichen Räumen kann ich nicht schlafen, alleine die Präsenz der viele anderen Menschen macht das unmöglich für mich. Mit ein bisschen Musik im Ohr bin ich meistens ganz gut dabei. Ich hätte auch Angst, das mir jemand während ich im Zug schlafe meine Tasche, Z.B. oben aus der Ablage klaut 🙈

      Danke für deinen Stern und Herzlich willkommen hier im Archiv 🤗

      Liebe Grüße

      Laura

      Gefällt 1 Person

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