Archiv der Fantasie

*Kurzgeschichte* – Der Gecko

Der Gecko

Die Treppe knarrte unter meinen Füßen, eine dünne Staubschicht lag auf den Bildern im Treppenhaus. Wie erstarrter Nebel dämpfte er Farben und Formen.

Wieder starrte mich der kleine, aus rotem Stein gehauene Gecko an. Wie er auf dem niedrigen Regal lag, jede Schuppe und selbst die kleinen Schlitze der Augen erkennbar. Jedes Mal rechnete ich damit, dass er erwachte und  sich mit seinen klebrigen, kleinen Füßen die Wand hochzog um mich mit seinen schlitzförmigen Augen zu beobachten. Schnell wand ich mich ab und streunte ein wenig durch das Haus. In jedem Zimmer in das ich kam lag eine Staubschicht auf allem. Die Regale waren leer, die Schubladen quietschen als ich sie öffnete.

 

Der Geruch von Leben war längst gewichen, nur noch ein feines Aroma nach altem Holz, vergangener Freude und verblasster Trauer schlichen sich in meine Nase. Seit zwei Monaten war niemand mehr hier gewesen. Bis jetzt.

Ich hatte das Gefühl gehabt, das Haus besuchen zu müssen.

Noch hielt ich meine Trauer in Zaum, viel zu trocken waren meine Augen zum Weinen. Hier war es passiert. Ich spürte es lange bevor meine Beine der Weg zum Schlafzimmer einschlugen. Die alte Holztür. Die feinen, eingravierten Ranken. Der Türgriff geformt wie der Hals eines Schwanes. Alles war gleich.

Und doch, doch fehlte das wichtigste. Es fehlte der Mensch der die Blumen zum blühen brachte, der die Wolken an den Himmel zeichnete und den Staub von den Bilderrahmen wischte.

 

Ich strecke meine Hand aus, ein Hauch zwischen mir und der Klinke. Etwas hält mich zurück. „Es ist noch nicht Zeit.“ wispert eine Stimme zu mir.

„ Komm später wieder, es ist noch nicht Zeit!“ Ich war unentschlossen, doch hätte ich damals auf die Stimme gehört, vielleicht wäre…

Ich ließ den Arm sinken. Ich ging zurück, die lange Treppe hinunter, vorbei an den staubigen Bildern. Ich fühlte mich leer, ziellos. Wieso war ich eigentlich hergekommen, es war doch noch nicht Zeit! Wieso musste das mir passieren, ausgerechnet mir! Ich begann zu zittern, Schwindel packt mich.

 

Aber noch hatte ich mich im Griff, meine Augen zu trocken zum weinen. Sehr langsam, an das Geländer geklammert ging ich hinab. Unten angekommen wanderte mein Blick zum niedrigen Regal. Ich erwartete, wie immer, den kalten Blick des steinernen Geckos.

 

Er war fort. Ich schob diese offensichtliche Sinnestäuschung auf meinen Schwindel, meine Trauer. Vielleicht war ich inzwischen verrückt geworden.

Doch auf der Haustürklinke saß ein kleiner, nicht steinerner sondern feuerroter Gecko der mich mit warmem Blick ansah.

Es ist noch nicht Zeit.

 

*Diese Kurzgeschichte ist vor einigen Jahren entstanden. Ich habe so wenig wie möglich daran verändert, heute würde ich einige Sachen anders machen. *

 

Liebe Grüße

Laura

 

 

2 Antworten auf „*Kurzgeschichte* – Der Gecko“

    1. Danke Alex 😉
      ich finde es sind zu viele unnötige Adjektive drin und das Ende ist seeehr offen. Bevor ich es hier eingestellt habe, hätte ich noch sehr viel mehr Adjektive drin 🙈 typisches, in der Schule gelerntes Schreiben.

      Gefällt mir

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